Ethical Fashion Show

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  • I

    __ch habe lange darüber nachgedacht, wann ich diesen Artikel online stellen kann und ob eine verzögerte Publikation aufgrund diverser Termine meinerseits dem Anspruch der Leserwelt auf eine zeitnahe Berichterstattung nicht gerecht werden könnte.

    Ich entschied mich für genau Jetzt. Genau Jetzt deshalb, weil mir der tragende Inhalt zeitlos erscheint und auch zu jedem beliebigen Zeitpunkt einer bereits vergangenen oder noch zukünftigen grünen Modemesse erschienen sein könnte oder noch kann.

    Die konventionelle Modewelt beruht auf einem Wettkampf der immer schneller rotierenden Kollektionen auf dem Highway der Fashionszene, der den Designern und Label ebenso wenig Ruhe gönnt wie jenen, die die Mode zu tragen haben. Echten Fashion Victums wird ganz schwindelig zwischen den Unmengen an günstigen Kleidungsstücken, die nicht mehr nach wärmend und sommerlich kategorisiert werden, sondern nach … ja wonach eigentlich?

    Wer hat damit angefangen, aus den Notwendigkeiten der Jahreszeiten auszuscheren und Kollektionen für die Saison dazwischen, davor und danach zu kreieren damit aus den ehemaligen Sommer- und Winterkleidungsstapeln im Kleiderschrank des Konsumenten stattliche 12 saisonale Modeberge aus 1€ Artikeln werden, die darüber hinaus jährlich ausgetauscht werden müssen?

  • D

    __em nacheilend (oder voraus?) ist der Anspruch an eine ethische Mode eine voreingenommene Haltung gegenüber einem Konsum, der durch den Fashion Highway geboren wurde und an Strände voll Müll und verdreckten Gewässern führt, an und in denen Menschen leben müssen, die sich nicht von Umweltsünden ihrer Lebenswelt frei kaufen können.
    Diese Haltung muss durch den Produzenten ethischer Mode in seiner Vermarktung einbezogen und vom nachhaltig handelnden Fashionkonsumenten angezogen werden.

    Die ethische Mode im Sinne eines übergeordneten Merkmals eines neuen grünen Zweiges der Modeindustrie muss sich an Rahmenbedingungen messen lassen, die durch sie hervorgerufen oder zumindest beeinflusst wurden. Eine ethische Mode ist nicht auf Produktionsbedingungen beschränkt sondern erweitert auf ein gesellschaftliches Wirken hinsichtlich Konsum und Schönheitsideal.
    In ethischer Kleidung hat kein Magermodel zu stecken. Ethische Kleidung hat keine 12 Saisons innerhalb einen Jahres.

    Die Ethical Fashion Show transportiert mit dem Begriff „Ethik“ in seinem Namen gegenüber sich selbst und seiner Umwelt den folgenschweren Anspruch an ein spezifisch moralisches Handeln, insbesondere hinsichtlich seiner Begründbarkeit und Reflexion. Für den Besucher einer Ethical Fashion Show und Konsumenten muss nachvollziehbar sein, auf welchen Wegen die angebotene Mode das Label „ethisch“ verliehen bekam.


  • E

    __thik ist nicht nur eine Haltung. Ethik ist ein handelndes Sein mit höchst anspruchsvollen Handlungsrichtlinien, die für andere mess- und nachvollziehbar sind.
    Ich lasse mich fast dazu verleiten, zu behaupten, dass Ethik und Fashion kaum miteinander in einem Satz gesprochen werden dürfen, so unabänderlich und bis ins Tiefste eines menschlichen Lebens konträr und widersprüchlich verlaufend erscheinen mir beide mit Semantik aufgeladenen Begriffe. Der Mode haftet immer etwas an, was nach Misständen, nach Ausnutzen und Verschwendung duftet – ein Hauch vom zartem und verführerischen Parfum des Kapitalismus. Wenn man nun dem Kapitalismus das Vorhandensein von sittlichen Normen abspricht, schlägt die Suche nach einem geeigneten Ort für ethische Verhaltensweisen fehl.

    Eine ethische Fashion Show fragt nach dem „höchsten Gut“ im Bereich der Fashion. Sie möchte der Fashion Industrie den Drall eines ethisch korrekten Handelns verleihen, um eine unglaubliche fette Kuh vom dünnen und nicht mehr tragenden Eis der tosenden Umwelt- sowie menschlichen Katastrophen zu schubsen.

    „Die folgenden Richtlinien gelten für den Greenshowroom und die Ethical Fashion Show Berlin. Mindestens 70% der ausgestellten Kollektionen müssen unseren Nachhaltigkeitskriterien ensprechen. … Unser Verständnis von Nachhaltigkeit in der Mode ist in Zusammenarbeit mit Get Changed! The Fair Fashion Network entwickelt worden.“ (1)

  • Kann eine Ethik Fashion Show auch nur zu 70% ethisch sein?
    Kann ich nur zu 70% ethisch korrekt handeln?
    Reicht ein überwiegend ethisch korrekt gehandelt?

    „GET CHANGED! hat in gemeinsamer Diskussion mit Partnern aus dem Netzwerk Fairness-Kriterien entwickelt, die für uns eine vorbildliche Herangehensweise im Bereich Nachhaltigkeit und Fairness in der Modeindustrie aufzeigen.
    Ob eine Kollektion nachhaltig genug ist, um in die GET CHANGED! Datenbank aufgenommen zu werden, erfolgt durch eine individuelle Prüfung anhand dieser Kriterien. Unsere Entscheidung basiert ausschließlich auf den Informationen der Firmen, die aufgenommen werden möchten.
    Deshalb legen wir Wert auf den Nachweis glaubwürdiger Zertifikate und Standard-Initiativen.

    Die Firma sollte in der Matrix mindestens eine Box im Bereich Ökologie erfüllen, also entsprechende Zertifikate oder alternative Nachweise hinsichtlich dem ökologischen Fußabdruck erbringen.
    Die Firma sollte in der Matrix mindestens eine Box im Bereich Menschen- und Arbeitsrechte erfüllen. Wenn keine glaubwürdigen Zertifikate nachgewiesen werden können, kann dies auch über Transparenz kompensiert werden. Hierbei ist jedoch eine Einzelprüfung notwendig.„
    (2)

    In einer Übersicht auf der Seite vom Fair Fashion Network kann nachgeforscht werden, welche Zertifikate im Bereich Ökologie und im Bereich Menschenrechte für die Labels gelten, um im Katalog aufgenommen zu werden. Die Transparenz schafft Vertrauen zu dem Verfahren des Fair Fashion Network.

  • A

    __ber kommen wir auf die 70% zurück. Wann gelten eigentlich die Ausnahmen? Also jene 30%, die nicht den Nachhaltigkeitskriterien entsprechen?

    Gedankenspiel: H&M ist bei dieser Show dabei, finanziert einen ziemlich großen Teil und ist dafür an entsprechend wichtigen Stellen eingebunden oder vertreten. Dafür können sich die nachhaltigen Labels präsentieren und die Show überhaupt stattfinden. Wäre die Show noch ethisch korrekt obwohl sie der Maßgabe „mindestens 70% müssen den Nachhaltigkeitskriterien entsprechen“ nachkommt?

    Wenn also das Erreichen eines Gutes ein anderes Gut ausschließt, muss eine Güterabwägung erfolgen, die zum Verzicht eines Gutes führt. Im Falle einer Teilnahme von H&M wäre aus meiner Sicht die Verwendung des Namenszusatzes „Ethical“ nicht mehr gerechtfertigt. Denn die Show wäre kompromittiert.

    Ich würde die Show in Frage stellen und weiter fragen, ob die Teilnahme von H&M in dem Sinne notwendig und überhaupt ethisch erscheint, dass eine Ethical Fashion Show nur mit ungeheurem finanziellen Aufwand veranstaltet werden kann.
    Ist dann ein derartiger finanzieller Aufwand überhaupt vertretbar, dass er nur unter solchen Bedingungen stattfinden kann?

  • Um jedoch nicht blind zu orakeln, können wir fragen. Hilft meistens und ist fair. Oder sagen wir: ethisch korrekt.

    So frage ich nach Transparenz von den Veranstaltern der Ethical Fashion Show und stelle folgende Fragen, die ich per Mail zusende.
    Um meinerseits transparent zu bleiben, werde ich hier die Antwort von den Veranstaltern zu meinen Fragen offen als Beitrag zu diesem Artikel veröffentlichen.

    Fragen an die Veranstalter:

    (1) Welche der ausgestellten Kollektionen entsprachen auf der Ethical Fashion Show im Juni 2016 in Berlin den selbst aufgestellten nachhaltigen Kriterien und welche nicht?
    (2) Wie steht das im Einklang mit den Anspruch „ethisch“ zu sein?
    (3) Wo und wie ist es nachvollziehbar wie das Ergebnis einer Einzelfallprüfung nach Ihrem Kriterienkatalog zustande kam?
    (4) Kann ein Kriterium gegen ein anderes eingetauscht werden?
    (5) Wie sind diese gewichtet?

    (1) Magazine Brands & Summer Programme 2016, Hrsg Messe Frankfurt, Seite 50
    (2) http://www.getchanged.net/de/kriterien/fairness-kriterien/


INTERVIEW mit
der INHABERIN VON LOVECO

Christina Wille
FHain | vegan, fair trade | Jul2016 10