mall of shame

kp_adminDas neue Arbeiten

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  • M

    __anchmal erscheinen die Forderungen der Demonstrationen hier in Berlin so weit weg vom Leben der Menschen zu sein, die ebenso zur Gesellschaft gehören wie jene, die in den demonstrierenden Reihen stehen.
    Der nicht teilnehmende Angestellte, die Fahrradfahrerin, die ihren Unmut über die Blockade des sonst gewohnten Weges laut äußert, die staunende Passantin, die so weit weg steht und Fotos von der anderen Straßenseite macht, um sie nachher aufgeregt der Freundin zu zeigen oder der Familienvater, der hastig mit seinem Telefon vorbeidrängt.

    Arbeit ist jenes Element, um dessen Erhalt und Bestreiten sich alles in einem arbeitenden Leben und danach in der Rente dreht. Kaum ein Mitglied unserer Gesellschaft kann der wichtigsten Aufgabe, die er in seinem Leben zu erfüllen hat, ausweichen. Selbst wenn wir nicht mehr im Besitz einer Arbeitsstelle – weil arbeitslos – sind, beherrscht sie alles. Sie bestimmt wie wir uns fühlen; wie wir uns wahrnehmen; was wir von uns halten und vor allem, was andere Menschen von uns denken.

    Sag mir, was Du arbeitest und ich sage Dir, wer Du bist.

    Wenn wir uns um Privilegien und Rechte im Bereich der Arbeit bemühen, trennen sich alle Wege obwohl wir eins sind. Wir denken alle verschieden obwohl wir alle zugleich betroffen sind, wenn sich der Mindestlohn gesenkt wird oder Veränderungen bei den Kündigungsfristen und Arbeitsbedingungen zu unseren Lasten gehen.
    Wir alle müssten stehenbleiben und hinhören, wenn manche ihren Unmut über schlechte Verhältnisse, vor allem im Bereich der Arbeit auf der Strasse laut äußert. Denn manchmal ist es wichtig, was sie zu sagen haben.
    Wir haben im Trott unseres Tages vergessen zu fragen, weil wir im rotierenden Hamsterrad aufpassen müssen, nicht in den Speichen hängen zu bleiben. Längst wissen wir nicht mehr wie sich ein Aufbegehren anfühlt, weil wir uns nicht mal trauen einen Tag blau zu machen.

    A

    __m Freitag, den 02. September 2016 zogen AktivistInnen zu den Aktionen des BLOCKUPY Bündnisses in Berlin vom Potsdamer Platz und Gendarmenmarkt zum Bundesministerium für Arbeit und Soziales, um gegen die Flüchtlings- und damit Europapolitik und neoliberaler Innenpolitik zu demonstrieren.
    In einem Akt des zivilen Ungehorsams wurde das Bundesministerium für Arbeit und Soziales durch Sitzblockaden blockiert.

    Die Politik der Ausbeutung, sozialen Spaltung und Ausgrenzung wie der immer weiter voran getriebenen Verschärfungen von Hartz IV (siehe unter anderem Spiegel Online), die Repressalien durch das Jobcenter, die Aktivitäten eines „… neoliberalen Europas, welches mit Spardiktat und Verschärfungen am Arbeitsmarkt Millionen weitere in Armut und Unsicherheit treibt.“ und die aus der Flüchtlingspolitik resultierenden Toten spiegeln die antihumane Gangart der deutschen und europäischen Politik wieder.
    Nicht das Wohl aller Mensch ist das Zentrum allen Handelns sondern die möglichst barrierefreie Marktwirtschaft, die dem Kapital einen höheren Stellenwert beimisst als jeglichem Anstand und Leben.

  • Der unmittelbare Zusammenhang der europäischen und deutschen Flüchtlingspolitik mit unserem Leben steht mitten im Zentrum von Berlin. Als prächtiges Symbol einer konsumorientierten Gesellschaft hat die „Mall of Shame“ bereits in seinen Anfängen jene Grundsätze des Kapitalismus verinnerlicht.
    Mit Transparenten und Rufen erinnerten die Demonstranten beim Vorbeiziehen zum Potsdamer Platz daran, was Kapitalismus in unserem Leben bedeutet. Die Erbauer der Mall ließen viele Arbeiter ohne eine Entlohnung für ihre Arbeit, die sie während des Aufbaus leisteten, zurück.
    Ungerührt ihres Schicksals entschwanden die Subunternehmer und die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft Leipziger Platz Nr 12 aus ihrer Verantwortung.
    (Medienberichte: Mall of Shame |
    „Mall of Berlin: Arbeiter warten auf ihren Lohn“)

    Und noch viel mehr erinnert die Mall an eine europäische Schande, wenn sie als Zentrum für Kapitalismus riesigen Konzernen eine Verkaufsfläche offeriert, die mit der Ausbeutung ihrer Arbeiter, schlechten Produktionsbedingungen und ökologischen Katastrophen ihren Geschäften vor aller Welt Augen seelenruhig betreiben können.

    Die Politik schützt jene Arbeitsweisen und will mit den Konsequenzen nicht leben.

    Die durch diese Art des Wirtschaftens Vertriebene verlieren auf der Flucht ihr Leben, weil europäische Grenzen und Richtlinien nach Art des Römischen Kaiserreichs angeordnet und errichtet werden.
    Unser Wegsehen und blindes Konsumieren ignoriert die prekären Verhältnisse vor unserer Haustür und in aller Welt.

    Denen, den es ein wenig besser und noch gut geht, verstehen nicht, wogegen Anklage erhoben wird. Sie fühlen sich nicht verbunden und nicht mehr eins mit denen, die auch für sie sprechen. Manch Blinde haben vergessen wie es sich anfühlt, in schlechten Verhältnissen zu leben.
    Manche setzen alles daran, nie in solch einer Situation zu geraten und trennen die Teilidentität eines Arbeiters von ihrem Leben.

    Dabei wissen wir doch: So sehr wir uns auch strecken und strampeln, wenn Cäsar den Daumen senkt, werden auch wir zu Toten.

Blockade des
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
02. September 2016 | Berlin
Mitte Berlin | Gesellschaft | Hartz IV


INTERVIEW mit
dem Gründer von MEIN GRUNDEINKOMMEN

Michael Bohmeyer
XBerg | Gesellschaft | Okt2015 30