IN DIE VERPACKUNG GESCHAUT| MESSE LOVE NATURAL LOVE ORGANIC | BERLIN

kp_adminErnährung, Nachhaltigkeit, Umwelt

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  • Viele Veranstalter und Produzenten schreiben sich die Nachhaltigkeit in ihre Beschreibungen, um mit dem Trend des ethic food nach einem wachsenden Markt zu greifen.
    Doch wieviel Soul steckt in der Love Natural Love Organic ?

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    _ie Love Natural Love Organic war eine auf natürliche, ethische und organische Produkte ausgerichtete Messe in Berlin Kreuzberg, auf der sich Produzenten eben jener Produkte präsentieren konnten. Das stetig wachsende Interesse an FAIR TRADE, BIO, VEGAN und SUPER FOODS generiert einen zunehmend rentableren Markt, in dem die bestehenden Regeln der konventionellen Ökonomie übertragen werden.

    So unterliegen Ideen mit sehr großem Nachhaltigkeitpotential den Spielregeln eines auf Nutzenmaximierung ausgelegten Marktes und müssen mit dessen Umständen und Vorgaben zurechtkommen. Die Traditionen des „alten“ Marktes greifen tief, dringen bis ins kleinste Private und prägen bereits das zwischenmenschliche Verhalten einer jungen Generation, die zunächst nur als Konsumenten Berührung mit ihm hat und noch fern von den Kämpfen der Marktplayer ist.

    Können die StartUps, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben, ihre eigenen Werte gegenüber den alten und mächtigen Konventionen durchsetzen und sie erhalten oder müssen sie sich beugen?

    Ein Rundgang auf der übersichtlichen Messe verriert, dass weniger große Produzenten vertreten waren sondern mehr kleinere und mittelgroße Firmen. Auch StartUps aus Berlin, wie Buah, Einhorn, Vetzi und Fairment, waren vertreten und ermöglichten einen Blick auf ihre Produkte.
    Bei den meisten Produkten ging die Nachhaltigkeit über den eigentlichen Inhalt hinaus. Die Verpackungen waren durchdacht und es wurde viel Mühe darin investiert, Verpackungen zu entwickeln, die Plastik möglichst außen vorlassen oder zumindest reduzieren.

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    _o gab es bei Buah, einem Produzenten aus Berlin, der getrocknete Früchte- Mischungen für Smoothies anbietet, bei Päx, Produzent für getrocknetes Obst und Gemüse, und bei Vetzi, ein StartUp, das Komplettsets für vegane Schnitzel produziert, Verpackungen, die weitestgehend plastikfrei waren. Fairment bietet seinen Kombucha in Glasflaschen an.
    Bei einigen Produzenten, die ich mir näher angesehen hatte, steht zudem soziales Engagement im Mittelpunkt und bei fast allen die handwerkliche Produktion.

    All jene Werte erfordern eine andere Preispolitik, die gegen ein Billig und Mehr-von-allem antreten muss. Oft spielen dabei weniger die Verbraucher eine entscheidende Rolle als der Groß- und Einzelhandel, der die Preise drückt.
    Wenn der Konsument beim Einkauf im Supermarkt 3€ für das Kombucha zahlt, kommen davon max. 40% beim Produzenten an. In Konkurrenz zu größeren Produzenten steht das im Handwerk produzierte Getränk neben der Flasche eines großen Anbieters.

    Kleine StartUps gewinnen nur dann, wenn der Konsument bereit ist, bei ihnen einzukaufen. Das muss mit dem Bewusstsein geschehen, dass diese Wahl über das Überleben einer Firma entscheidet, die für ein anderes ökonomisches Handeln eintritt. Die Verbraucher müssen mehr darüber erfahren, was hinter den Kulissen eines Produzenten geschieht.


Love Natural Love Organic

April 2016 | Berlin
Station Berlin
Ernährung | Berlin Kreuzberg

  • Hinter den Kulissen einer Messe, die für Nachhaltigkeit wirbt, laufen ebenso die Spielregeln eines kapitalistischen Marktes.
    Zu Beginn der Messe fiel auf, dass viel zu wenige StartUps vertreten waren obwohl gerade in Berlin viele gegründet werden. Diese Messe schien geeignet, doch

    Woran lag dieser Mangel?

    Eine Online- Recherche in der Preisliste des Veranstalters ergab keine ungewöhnlich hohen Preise. Jedoch ist das Minimum von 306 € (1 -für 2 m2 Reihenstand) für jedes kleine StartUp nicht unerheblich.
    Dieser Betrag ist der Nettopreis, da „Mit Ausnahme von britischen Unternehmen, wo der Vertrag für die Bereitstellung eines Ausstellungspaketes (Stand und Dienstleistungen) für ein Unternehmen in einem EU-Staat ist, … keine Mehrwertsteuer erhoben (wird). Stattdessen muss der Kunde die zutreffende Mehrwertsteuer in seinem eigenen Mitgliedstaat unter ‚Reverse-Charge‘-Regeln entrichten.“ (2)

    Darüber hinaus musste jeder Aussteller eine Umweltpauschale in Höhe von 15 € entrichten, die „zum Ausgleich der Klimabilanz der Messe“ (3) diente und laut AGB obligatorisch war. „Die Umwelt-Pauschale ist obligatorisch. Diese Gebühr dient dazu, die Klimabilanz der Messe auszugleichen, so dass sie zu einer klimaneutralen Ausstellung wird.“(4)

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    _arum kann die Klimabilanz anscheinend nur durch Geld ausgeglichen werden?
    Wie genau funktioniert dieser Ausgleich?
    Mit welchen Maßnahmen wollen die Veranstalter das Klima ausgleichen?

  • Das steht leider nirgends. Die teilnehmenden Aussteller müssen eine Gebühr entrichten, bei der unklar ist, warum sie überhaupt erhoben wurde, wofür diese Maßnahme dient und wo das Ergebnis nachprüfbar ist. Bei ca. 90 Ausstellern ist das immerhin 1350€ extra. Ohne erkennbare Gegenleistung.
    Das obligatorische Werbepaket für 99€ pro Aussteller brachte dem Veranstalter nochmal 8910 € und damit zusammen 10260€ zusätzlich während ein StartUp mindestens 410€ Netto aufbringen musste, um an dieser Messe teilnehmen zu können.

    Wenn dieses Ungleichgewicht auch auf einer nachhaltigen Messe vorhanden ist, worauf bezieht sich das Love im Messenamen?
    Es benachteiligt diejenigen, die sich eine Teilnahme nicht leisten können oder noch hoffen, dass sich der finanzielle Einsatz zumindest im Nachgang rentiert.

    Wie sieht ein nachhaltiges Konzept einer Messe aus, das nicht diejenigen benachteiligt, die wenig Geld zur Verfügung haben?
    Ist es nicht an der Zeit, die Veranstalter solcher Messen dazu aufzufordern, selbst nachhaltig zu agieren?

    Wie gelang es dem Veranstalter des Global Social Business Summit?

    (1) www.lnlo.de
    (2) Quelle: http://www.lnlo.de/allgemeine-geschaftsbedingungen.php
    (3) http://www.lnlo.de/preisliste.php
    (4) Quelle: http://www.lnlo.de/allgemeine-geschaftsbedingungen.php