EIN HACKATHON | NUR EBEN ANDERS

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    __ie Halle ist riesig. Und beeindruckend. Zwischen Bauschutt, der vom Kern einer wunderschönen alten Brauerei abgeschlagen wurde, stehen in mehreren Bereichen unterteilte Arbeitstafeln, an denen Menschen tief versunken an Ideen arbeiten. Auf dem Rollberg unweit der Neuköllner Arkaden, hinter riesigen Fenstern, aus denen die kaputten Fenstergläser entfernt wurden, wabert der Dunst einer neuen Welt. Aufbruchstimmung während der OSCE DAYS im Agora Collective im Sinne globaler Nachhaltigkeit.

    „Wenn wir auch soziale Nachhaltigkeit erreichen wollen, stellt sich die Frage, ob das kapitalistische System, in dem wir im Moment leben und produzieren, das richtige ist. Vielleicht müsste sich letztlich die gesamte Volkswirtschaft wandeln“ (1)

    Nachhaltigkeit ist keine von anderen Gebieten abgegrenzte und auf kleine wirtschaftliche Teilbereiche begrenzte Idee einer Generation, die hipp und utopisch daher kommen will, sondern die Zukunft einer mental gesunden Welt mit einem globalen, ressourcenschonenden Wirtschaftskreislauf.
    Sie ist kein Label eines Produktes, das gerade besonders gern gekauft wird oder eine Ernährungsweise, die alle anderen geißelt. Nachhaltigkeit ist eine globale Angelegenheit, die alle angeht und einer globalen Betrachtung bedarf, die in jenen Tagen während der OSCE DAYS vonstatten geht.

  • Was jedoch können wir uns unter einer globalen nachhaltigen Kreislaufwirtschaft vorstellen?
    Was umfasst sie?
    Ist der Anspruch und die Herausforderungen einer globalen Kreislaufwirtschaft anders im Gegensatz zur einer lokalen?

    Wenn der Kapitalismus das ist, was von allen alternativen Wirtschaftssystemen übrig blieb, steht infrage, ob er eine geeignete Grundlage dafür darstellt, Veränderungen im Sinne eines nachhaltigen Systems herbeiführen zu können.
    Denn im Grunde genommen beruht der Kapitalismus auf dem Mechanismus, Ressourcen jeglicher Art auszubeuten und über die Maßen Produktion und Konsum zu forcieren, um eben keine Schonung sondern optimierte und effiziente Ausnutzung zu erreichen.
    Nachhaltigkeit und Kapitalismus stehen sich wie zwei sich abstoßende Elemente gegenüber und können nicht miteinander. Aber auf die Suche zu gehen, geht immer.

    O

    „__pen Source Circular Economy Days (deutsch etwa: Open-Source-Kreislaufwirtschafts-Tage) ist ein globales Event und eine globale Community zur Entwicklung offener Ressourcen und Möglichkeiten für die Umstellung auf eine globale, nachhaltige Kreislaufwirtschaft.“ (2)

OSCE DAYS

09. – 13. Juni 2016 | Berlin
Neukölln Berlin | Sustainable Circular Economy | Gesellschaft

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    __ie Forcierung auf eine Umstellung auf ein nachhaltiges System während der OSCE DAYS beinhaltet vor allem die Betrachtungen von Waren- und Wirtschaftskreisläufe. Jeder für sich und alle zusammen in ihrer Wechselwirkung. Wie kann ein „Zero Waste Event“ organisiert und durchgeführt werden? Wie funktionieren nachhaltige Energiekreisläufe? Können lokale Warenkreisläufe etabliert werden?

    Was mir neben den Betrachtungen auf den OSCE DAYS wichtig und zentral erscheint, ist, dass allen nachhaltigen Themen der systemische Ansatz übergeordnet ist. Ein Thema kann nie isoliert betrachtet sondern muss auch in seiner Stellung, Bezug und Auswirkung im globalen Zusammenhang anerkannt werden sonst ist er in sich selbst nicht nachhaltig. Denn eine Isolation ignoriert die Auswirkungen im globalen Kontext und sieht nur das kurzfristige Ziel einer lokalen Nachhaltigkeit. Am Beispiel des Zero Waste Event ist die globale und allumfassende nachhaltige Frage, jene nach der Quelle der Gelder, um das Event zu finanzieren. Würde das Sponsoring eines Zero Waste Event durch Nestlé oder Shell nachhaltig bleiben?

    Auf gleicher Ebene der Bedeutung jeder jeweiligen Frage ist somit das schwebende Schwert des Kapitalismus, das stetig drohend wie ein Fallbeil über jene Fragestellungen hinuntersausen und Antworten mit Lösungsansätzen zerstören kann.
    Kann oder wird der Aspekt „Kapital“ und „Kapitalismus“ nicht berücksichtigt, sind die Betrachtungen zunächst erstmal stark theoretisch, abstrakt und fast illusorisch, da vernachlässigt wird, dass wir in jener Gesellschaft leben, die vom Kapitalismus beherrscht wird.
    Wir können nur Veränderungen von innen heraus und auf jene Grundlagen vornehmen, die vorhanden sind.

  • So kann ein Zero Waste Event nur umgesetzt werden, wenn die Finanzierung des Events den Vorgaben „Zero Waste“ nicht entgegen sprechen. Ist die Frage nach der Finanzierung geklärt und finanzielle Mittel stehen bereit, ist die Umsetzung, also die Frage nach dem WIE, die Ausrichtung nach der Vorgabe „Zero Waste“.

    Was nehmen wir also als Referenz für Nachhaltigkeit?

    Nachhaltigkeit ist eine ganzheitliche Betrachtung, die zum einen Ökologie, Ökonomie und Soziales (alle Bereiche) als Ganzes einbezieht und zum anderen auch alle Ebenen mit den Merkmalen Mindeststandard und Höchststandard sowie den komplexen Sachverhalt der Globalität.
    Wir können also nicht ein Event als nachhaltig deklarieren, wenn die Leistung der Mitarbeiter nicht entlohnt oder von Nestlè finanziert wird.

    Zu bedenken ist, dass „Der Kapitalismus, wie er gerade existiert, … sich nicht von allein ändern (wird). Da müssten Lobbygruppen ja bereit sein, freiwillig Macht abzugeben. Und nicht nur das: Die Besitzverhältnisse müssten sich ändern, Enteignungen müssten stattfinden. Das heißt, es müsste ein großer politischer Umbruch erfolgen. Haben Sie irgendeine Idee, wie der aussehen könnte?“ (3)

    Vor der Nachhaltigkeit steht der gesellschaftliche Wandel. Haben Sie eine Idee „Wie eine Gesellschaft aussähe, in der vernünftiges Produzieren und Konsumieren möglich wäre?“ (4)

    (1) Quelle: Agora42 | Ausgabe 01/2012 | Seite 80
    (2) Quelle: https://oscedays.org/
    (3) Agora42 | Ausgabe 01/2012 | Seite 80
    (4) Agora42 | Ausgabe 01/2012 | Seite 80