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  • WENN DER MONSANTO MIT DEM BAYER

    Jeden Tag unseres Lebens gehen wir durch den Alltag und glauben frei und selbstbestimmt zu sein, weil uns die Entscheidung darüber, wohin wir in den Urlaub fahren, was wir anziehen und wen wir heiraten, noch nicht genommen wurde.
    Unsere täglichen Routinen in Arbeit, Lebensnotwendigem und freizeitlichen Tätigkeiten sind durchdrungen von einprogrammierten Verhaltensweisen als Konsument jener Produkte weltweit agierender Konzerne und öffentlichen Institutionen.

    Wir hängen am Tropf großer Marktführer, die uns Wahlfreiheit vorgaukeln und uns vergessen lassen, dass wir zu 99% von außen abhängig und nicht mehr in der Lage sind, uns selbst zu ernähren. Reißt uns jemand den Tropf aus dem Arm, sitzen wir zuhause und wissen nicht mehr, woher wir unser Wasser nehmen können, wenn aus dem Hahn nichts mehr tröpfelt.

    Wir haben die Macht über unser Leben ohne Gegenwehr abgegeben, es outgesourct und verlernt, für uns selbst zu sorgen. Die Aufrechterhaltung all jener elementaren Bereiche unseres Lebens wie Essen, Wasser, Kleidung und Obdach liegen nicht mehr in unserer Obhut. Sie entwickelten sind zu fremdbestimmten Einheiten, die wir händeringend versuchen mit Geldverdienen zusammenzuhalten und mit ein wenig Freiheit zu versehen, um den Anschein eines selbstbestimmten Lebens zu wahren.

  • Die Supermärkte sind vollgestopft mit Waren in bunten Verpackungen – von billig bis teuer, von konventionell bis bio, von regional bis weltweit. Die Wahl des Produktes bestimmt unseren Lifestyle, wobei die Verpackung uns ausgewählt hat. Was wir sein wollen und von uns halten, ist als bunter Schriftzug auf Verpackungen aufgekritzelt, die aufgerissen, die gleiche Ware hervorspuckt wie der billige Nachbar im Nebenregal. Schmeckt die teure Ware wie die billige nebenan, verweigert dennoch unser Hirn die Entstehung einer Erkenntnis.

    Im Wirrwarr weltweiter Strukturen der größten Konzerne verlieren wir uns.

    Wer weiß schon, dass die Marke KitKat genauso zu Nestle gehört wie Alete. Oder Neste. Oder Mövenpick. Oder Lipton, Knorr und Langnese zu Unilever.
    Alles irgendwie das Gleiche?

    „Wer ernährt uns in Zukunft: Bäuerlichkeit und Handwerk oder Industrie?“ ist eigentlich keine Frage mehr, die eine mögliches Zukunftsszenario vorwegnehmen will sondern die Zeichnung eines reellen Machtkontruktes und die kühle Konumgegenwart fast aller Menschen auf der Welt.
    Es ist längst keine ethische Frage mehr, die wir bei einem Wein besprechen und philosophisch heiß diskutieren können sondern eine existentielle Bedrohung, die unsere Ernährungssouveränität untergräbt.

Pressekonferenz „Wir haben es satt“
27. September 2016 | Berlin
Kreuzberg | Markthalle 9
Food | Gesellschaft | Umwelt

  • In Deutschland lebten 2015 in ca 40 700 Haushalten ca 82 Millionen Menschen (1). 285 000 Betriebe produzierten 2015 in landwirtschaftlichen Betrieben Lebensmittel in Deutschland. 1999 waren es noch 190.000 Betriebe im Haupterwerb und ca 250.000 im Nebenerwerb; 2007 schmolz die Zahl schon auf 154.000 im Haupt- und 190.000 im Nebenerwerb (2).
    Schauen wir uns diese Entwicklung näher an,

    ist der Rückgang der Anzahl der bäuerlichen Betriebe und die gleichzeitige Zunahme der Macht der großen Konzerne eine halbe Antwort auf die Frage der Gegenwart.

    Zur Verschleierung der Ziele und Verharmlosung der Auswirkungen treiben die zehn größten Konzernen die Illusionierung der Menschen voran: Die Marktriesen Monsanto und Bayer spielen mit der menschlichen Katastrophe Welthunger. Als Mitverantwortliche für die große Krise unserer Welt (u.a. durch Landgrabbing, Umweltverschmutzung) positionieren sie sich als Problemlöser.
    „Zwei Milliarden Menschen leiden weltweit an Mangel- und Fehlernährung. Ihr Essen enthält nicht genügend Nährstoffe wie Proteine, Vitamine oder Mineralien. … schätzungsweise 2,5 Millionen Kinder sterben jährlich an den Folgen von Mangelernährung. Den Betroffenen fehlt oftmals das Geld für eine ausgewogene Ernährung oder ausreichend Land, um neben Reis oder Mais auch Gemüse, Obst und Kräuter anzubauen. … Um die Symptome der Mangelernährung zu reduzieren, verfolgen die Nahrungsmittelkonzerne einen technischen Ansatz: Sie verkaufen Nahrungsmittelergänzungsmittel und reichern die fehlenden Mineralien in Reis, Öl, Salz, Zucker oder Fertigprodukten an.“ (3)

    Dass „zur Armutsbekämpfung“ und Aufrechterhaltung der Ernährungssouveränität „die kleinbäuerliche Landwirtschaft (ge)fördert“ werden muss, „liegt auf der Hand, … „ (4)
    Eine globale Ernährungssicherheit wird es nur geben, wenn die Kleinbauern gezielt gefördert und in die Agrarentwicklungsstrategien eingebunden werden, wenn die Saatgutvielfalt erhalten bleibt, der Umweltschutz konsequent im Vordergrund steht, das Land- und Watergrabbing verhindert wird und die Kleinbauern vor Zerstörung geschützt werden.
    Nicht nur in den Regionen einer fernen Welt sondern auch in unserem Wirtschaftssystem. Ernährungssouveränität ist keine Angelegenheit und Problemlage armer Länder sondern ebenso unsere Verantwortung, die wir nach und nach galant nach außen delegierten.

    Während also draußen der Sturm tobt, muss die ungemütliche Frage im Inneren unseres warmen Hauses erlaubt sein:
    Lassen wir uns im Namen unserer Bequemlichkeit bescheißen?

    Sind wir wissend und werden nur nicht aktiv?
    Entwickeln wir Ideen gegen Marktkonzentration und Abhängigkeiten, gegen Umweltzerstörung und Armut?

  • Wenn „Landwirtschaft Essen macht“ und Bündnisse wie „Wir haben es satt“ riesige Kongresse organisieren um gemeinsam über die Milchbauernkrise, die Bayer- Monsanto Fusion, über Proteste gegen CETA und TTIP, über Landwirtschaft und Ernährung zu sprechen und einen Stopp der industriellen Landwirtschaft & Lebensmittelproduktion sowie eine Förderung bäuerlicher Betriebe einzufordern, regt sich was im Land. Denn wir wissen, dass sich die Marktkonzentration Weniger und das Konzentrationsgefälle neuer Marktmächte weiter verschärfen werden.

    Wir wissen:
    Essen ist Identität.

    Mitten in Berlin in einem vom Bündnis „Wir haben es satt“ veranstalteten Kongress mit 24 Workshops, Talks und Open Spaces in der Kreuzberger Emmmauskirche kämpften regionale Erzeuger zusammen mit Food Aktivisten, Anwohnern und vielen Besuchern um unser Essen. Um die Zukunft unseres Essens.

    Auf der Suche nach neuen Ideen für die Ernährungs- und Agrarwende, nach der Sicherung bäuerlicher- ökologischer Landwirtschaft und gesundem Essen, nach Demokratie und Abbau der Konzernmacht führten Talks wie jene „Wer ernährt uns in Zukunft: Bäuerlichkeit und Handwerk oder Industrie?“, „Alles auf Export? Zum Zusammenhang von Landwirtschaft und Welthandel“ und Vorträge „So geht anders! Gute Beispiele gelebter Alternativen aus Landwirtschaft und Handwerk“ durch die Vielfalt neuer Möglichkeiten und Experimente, die zeigen, wie es anders gehen kann.

    Fragen können wir auch mit 2000m2 Weltacker beantworten. Auf 2000m2 suchen Carla Ciardini und Ben Wissler nach der Antwort, ob ein Stück Land dieser Größe für einen Menschen ausreicht, um sich selbst zu versorgen und alle satt zu machen.
    Mit „Solidarischer Landwirtschaft“ können wir ausprobieren, wie es sich ohne Handel und mit direkter Versorgung lebt und wie Bauern und Städter in gemeinschaftlicher Verantwortung leben. In einer praktischen Auseinandersetzung mit Lebensmitteln können wir am Kaufverhalten aller Konsumenten arbeiten, um Verständnis für die Produktion von guten Lebensmitteln zu erzeugen, die ihren Namen auch gerecht werden.

    Die aktuellen Nachrichten zeigen: Auch als Einzelner kann man Großes erreichen und die Welt von Vielen verändern. Mit ihrem Nein sorgte die Region Wallonie in Belgien für eine Blockade des CETA Abkommens mit Kanada. Wallonie traute sich etwas, was andere nicht wagten.

    Wallonie traute sich zu fragen:
    Wer ernährt uns in Zukunft?

    Weiterführende Infos:
    Stadt Land Food
    Belgische Region blockiert
    Monsanto und Bayer

    Quellen:
    (1) www.destatis.de
    (2) www.destatis.de
    (3) Konzernmacht grenzenlos | Die G7 und die weltweite Ernährung | www.brot-fuer-die-welt.de | S.22
    (4) Konzernmacht grenzenlos | Die G7 und die weltweite Ernährung | www.brot-fuer-die-welt.de | S.24


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