STATE OF DESIGN BERLIN

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  • PLASTIK STATT FISCHE

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    _in Ein einsamer Kutter wiegt auf den aufgewühlten Wellen des Meeres. Das Boot wippt auf und ab während der Fischer sein Netz an Board zieht. In der Hoffnung auf einen reichen Fang entleert er das Netz auf den holzigen Boden. Seine Ernte: Plastik, kaum Fische.

    Aus dem Plastik entstehen nach und nach die Einzelteile eines Stuhls, der Teil eines viel größeren Projektes ist – „a project which is about making furniture using plastic that is polluting our oceans.“(1)
    Die bewegenden Bilder des Films vom Design Studio Swine & Kieren Jones zeichnen eines der zentralen Umweltprobleme unserer Gesellschaft nach.

    Der kreative Umgang mit dem, was von unserem
    Lebensstil übrig bleibt, stochert im verlorenen Potential und der Last einer zukünftigen Generation, die wenig Essbares aus dem Meer dafür mehr Giftiges auf dem Teller haben wird.

    Die Illustration, die ein zentraler Bestandteil der Ausstellung „SOMETHING FROM NOTHING“ darstellt und als Teil der STATE OF DESIGN vom 04/05 bis 08/05/2016 im KAOS kuratiert wurde, geht in dem Projekt des Duos ein, das „design a ship and other tools that could allow a local fishing industry in decline to produce furniture and other objects from these Garbage Patches, directly on the spot, in floating factories.“(2)

  • Aus dem Weggeworfenen entsteht mit diesem Blickwinkel etwas Nützliches und noch Brauchbares, das zeitlich über den Transport eines Einkaufs in einer Plastiktüte hinausgeht. Die „Kurznützlichkeit“ von Plastik wird durch die Wiederverwendung und Aufwertung in eine langlebige Daseinsberechtigung transformiert, wodurch dem ganzen Wegwerf- Ding noch etwas Sinnhaftes abgewonnen werden kann.

    Ü

    __berhaupt entstand durch die Idee eines Schiffes, mit dem das Plastik abgefischt und gleich an Board mit einem solarbetriebenen riesigen Ofen in einen Gebrauchsgegenstand umgewidmet werden kann, ein Konzept, mit dem Plastik aus dem Meer wieder entfernt wird.
    Diese neue Maschine – „a plastic extruder which melts the plastic at sea with only the power of the sun, forming a 3D printer that is can be used either on sea or on land, far from any external power source and where plastic trash exists without the facilities to recycle them.“, ist ein unübersehbares Mahnmal für eine Dringlichkeit und naheliegende wie einfache Lösung, die Schäden wieder „recyceln“ kann.

    Ebenso wie jenes Projekt der Ausstellung, das zeigt, wozu Plastiktüten noch so nützlich sind, wenn sie ihren eigentlichen Sinn verloren haben.
    Raquel Sereno Rivas und das mexikanische Social Design Unternehmen Anudando entwarf ein Produktionsablauf, in dem aus Plastiktüten Garn entsteht, aus dem Teppiche gewebt werden.
    Bereits die Idee eines Garns, das als Ausgangsstoffe für alle denkbaren Produkte verwendet werden kann, ist der Anfang einer Verwertungskette, das genutztem Plastik ein längeres Leben einhauchen kann.

  • „The first collection is made from reused polyethylene plastic bags, collected in schools, and transformed into a thread by hand, using a technique developed by Dutch designer Michelle Baggerman, with whom Anudando still works closely together. The thread is then woven into baskets, table runners, cushion covers, etc by craftspeople in local textile communities. All products are fair trade, come with stories that reveal the context, play on the tension between the contemporary and traditional, and allow the user to become part of the process by “mix and matching” different components into an end product.“(3)

    Bei diesem Up- oder auch Recycling Verfahren von Plastik fällt der krude Unterschied zwischen seiner Lebensdauer von 500 Jahren und dem tatsächlichen Zeitnutzen von ein paar Minuten auf.
    Es scheint unerklärlich wie sich ein derart ineffizientes Verfahren so sehr in unserer Gesellschaft reingefressen und verhaftet haben kann obwohl es kaum Sinn macht.
    Der unglaublich aufwendige und ressourcenverbrennende Vorgang der Plastikproduktion, seine absurd lange Lebensdauer von 500 Jahren, die schädliche Wirkung auf die Umwelt steht dem Gebrauchswert von 10min gegenüber.
    Der offensichtliche starke Kontrast verwundert kaum noch jemanden, was das eigentlich Betrübliche ist.

  • Dass wir uns mehr wundern müssen, ist eine Forderung der Zeit und des nächsten Projektes von KIEZPOPCORN.
    Unsere verloren gegangene Verbindung zu unserer Umwelt produzierte längst eine Blindheit gegenüber jenen Auswirkungen, die näher sind als wir glauben und wahrhaben wollen.
    Mit dem Projekt „Blinde, die auf Plastik starren“ wird die Vision angestrebt, Verantwortlichkeiten für das eigene Konsumverhalten zu wecken.

    (1) Quelle: https://www.kickstarter.com/projects/1715854418/sea-chair-into-the-gyre/description
    (2) Quelle: https://www.kickstarter.com/projects/1715854418/sea-chair-into-the-gyre/description
    (3) Quelle: www.stateofdesign.berlin


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Mai 2016 | Berlin
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