DAS KLEINE GROßE STERBEN | THEATER UNTERM DACH | BERLIN

kp_adminErnährung, Kunst & Kultur, Nachhaltigkeit, Umwelt

cosmic_love_berlin_theater
  • DAS BIENENSTERBEN GEHT UNSEREM TOD VORAUS

    Was ist bloß los mit uns? Das Drama über das Sterben einer gesunden Welt vollzieht sich vor unseren Augen. Und doch schauen wir weg und essen weiter, was Industriegiganten wie Monsanto auf unser Essen streuen lässt.
    Das Krachen der zarten Chitinpanzer, das sich beim Kauen unserer aromatisierten Nahrung mit der krossen Frische vermischt, überhören wir und schwärmen beim Herunterschlucken von einer immerwährenden Verfügbarkeit perfekter Nahrung.

    Der unsägliche Einsatz von Pestizide auf Monokultur Feldern wirkt für die Bienen oft tödlich, für den Menschen krebserregend. „… der Einsatz von Pestiziden (macht) den Bienen das Überleben schwer. Besonders verheerend sind dabei die Nervengifte aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide. Die u.a. von Bayer und Syngenta hergestellten Gifte stören das Orientierungsvermögen und Gedächtnis der Bienen und schwächen ihr Immunsystem. In der Folge finden die Tiere nicht mehr zu ihrem Stock zurück und werden anfälliger für Krankheiten, die zum Kollaps des ganzen Bienenvolkes führen können. Weltweit klagen Imker bereits über den Verlust von Bienenvölkern.“ (1), schreibt der Bund für Natur- und Umweltschutz Deutschland.

  • Dennoch wird diese Anklage ignoriert, da wir die Bedeutung der kleinen Dinge verkennen. Wir messen dem Kleinen und fast nicht Sichtbaren eine geringe Bedeutung bei, weil wir nicht an dessen Größe und Macht glauben.
    Die Zerstörung und Ausbeutung unserer Umwelt zeigt sich in der versiegenden Existenz der Bienen, in den schwindenden natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Nahrung und in den immer weniger spürbaren, nicht stofflichen Gütern wie menschliche Nähe, Mitgefühl und Unterstützung.

    Das Streben nach Profit über die Grenzen des Reproduzierbaren hinaus erschafft einen Menschen, der seine eigene Sterblichkeit vergisst und die Abhängigkeiten zu seiner Umwelt arrogant herunterspielt. Dabei ist der Mensch ein Lebewesen unter Vielen.

    Das vom Theaterregisseur Dieter Krokauer am Theater unterm Dach in Berlin inszenierte Theaterstück „Cosmic Love – ein Bienenstück“ greift diese menschliche Blindheit auf und visualisiert die empfindsame Struktur unserer Natur und unserer Abhängigkeit zum Leben der Bienen. Die Bienen erzählen auf der Bühne von ihrem Leben, von ihrem Wirken und der Bedrohung, die vom Menschen für sie ausgeht.


COSMIC LOVE | EIN BIENENSTÜCK

Dezember 2015 | Berlin
THEATER UNTERM DACH | Kultur | Prenzlauer Berg

  • So vollzieht das Stück für uns einen Perspektivwechsel, der dringend notwendig ist. Die Performance COSMIC LOVE „wirft einen Blick auf unsere aktuelle Menschenwelt aus Bienenperspektive“ und vermittelt die Dringlichkeit einer anderen Sichtweise auf die Geschehnisse der Welt und unserem eigenen Handeln.
    Denn im Wirrwarr unseres Alltags aus Jagen und Gejagdsein ist nicht klar, ob wir nicht sehen können oder wollen. Wie weit ist die Zucht unseres Systems vorangeschritten und erfolgreich in ihrer Abrichtung, so dass wir es tatsächlich verlernt haben, uns in unserem natürlichen Umfeld sehend, mitfühlend und rücksichtsvoll einzufügen ohne zu zerstören oder zu beschädigen?

    So wie die Biene nur im Schwarm als gesamter Organismus überleben kann, sind wir auf eine friedliche Koexistenz mit den Mitgeschöpfen unserer Welt angewiesen.
    Wir irren, wenn wir glauben, ohne das und den anderen leben zu können und keinen Schaden zu nehmen, wenn wir uns bereichern. Darin steckt vielmehr eine noch viel traurigere Wahrheit: wir sehen im übersteuerten Egoismus eine viel größere Bereicherung als im Miteinander mit dem anderen.

    Wir leben in einer zutiefst unsolidarischen Gesellschaft, in der jeder gegen jeden kämpft. Dieser Kampf fängt im direktem Großen an und wird bis ins kleinste Private fortgeführt und beherrscht die Menschen, die vergessen haben wie sich Gemeinschaft anfühlt.
    Die stetig vorangetriebene Vereinzelung des privaten Menschen bis zur Isolation und Zerschlagung der potentiellen Widerstandskraft produziert den Verlust des Menschseins. Denn wenn der Einzelne vom anderen isoliert ist, erhöht sich sein Aufwand für das eigene Überleben, der im Verbund so nicht nötig wäre.

  • In Zeiten des Überlebenskampfes fehlt dem Vereinzelten der Raum für Sinn und Sinnlichkeit. Er kann sich weniger mit den anderen solidarisieren, um einen Gegenpol zu erzeugen und andere Werte zu leben.
    Die Vereinzelung ist anerzogen und nicht naturgegeben, da jeder von uns von der Sehnsucht nach Geborgenheit, Sicherheit und Zusammenhalt getrieben, jedoch immer weniger fähig ist, Gemeinschaft zu erfahren. Wir haben verlernt, uns für unsere Umgebung verantwortlich zu fühlen.

    Erst durch eine tiefe Verbundenheit mit unserem Umfeld entsteht die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung, mit der wir uns um dessen Erhalt sorgen. Wir wollen, dass erhalten bleibt, was uns berührt.
    Das Sterben der Bienen, das durch unsere Verantwortungslosigkeit hervorgerufen wurde, zeigt unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Ihre Ausbeutung durch uns sind Symptome unserer profitgesteuerten Gesellschaft, an dessen Ende unser eigenes Sterben steht.

    Mehr Informationen zum Stück: www.unitedoffproductions.de

    * (1) Quelle: http://www.bund.net/themen_und_projekte/chemie/pestizide/bienen_und_pestizide/

    Autor: Margarete Stein