WO KÄMEN WIR DENN HIN?

kp_adminErnährung, Nachhaltigkeit, Social

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  • Deutschlands Herz krampft in seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auseinandersetzung mit den Gehetzten dieser Welt. Während Flüchtlinge bei uns das suchen, was ihnen die Profitgier der westlichen Welt genommen hat, winden wir uns vor Überforderung. Wir tun uns schwer damit eine Lösung darin zu finden, was die Gegenwart entschärfen und die Zukunft aller nachhaltig verändern könnte.

    Während unzählige Menschen in Berlin unter freiem Himmel hungernd und ohne Obdach auf ihre Registrierung warten, feilschen Grundeigentümer mit dem Staat um viel zu hohe Mieten. Die Erpressbarkeit der Demokratie kennt keine Grenzen, wenn ein gesellschaftliches Problem auf wirtschaftliche Interessen stößt. Die Nähe der Politik zur Wirtschaft verursacht ein starres Festhalten an den kapitalistischen Interessen und verhindert die Schaffung einer Ordnung, die das elende Chaos beseitigen könnte. Die eigenen Wählerstimmen sind ihnen näher als das ferne Leid der Menschen, die zu Fuß wochenlang unterwegs sind.

    Und mehr noch. Diese Starre verschlimmert die Überforderung einer Wohlstandsgesellschaft, die ihr Essen wegwirft während sie sich angesichts der vielen Bedürftigen um den möglichen Verlust ihres Wohlstandes sorgt. „Über 18 Mio. t Nahrungsmittel landen in Deutschland pro Jahr in der Tonne, … , mehr als 2,6 Mio. ha werden für die Tonne bewirtschaftet und fast 48 Mio. t Treibhausgase umsonst ausgestoßen.“(1) – Lebensmittel, die nicht dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden und in der Tonne landen, weil wirtschaftlicher Profit den Wert der Ware bemisst und sie entsprechend verwertet.

    Quelle: Studie „Das große Wegschmeißen“; WWF Deutschland; 2015; Seite 7

  • Ja, wo kämen wir denn hin, wenn wir all die krummen, hässlichen, zu kleinen, zu großen, zu dünnen Gemüsen, Obst und sonstige Waren denen kostenlos geben würden, die sie essen würden? Wo wäre da der Profit, der Gewinn, die Maximierung des Kapitals? All die großen Konzerne würden an den verloreneren Geldern der nicht mehr gekauften Waren furchtbar ächzen und sich vor Sorge schütteln. Wo käme unsere Welt hin, wenn wir eine Umverteilung der Ressourcen vornähmen?

    Wir kämen zum Tempelhofer Feld in Berlin Neukölln. Zum Berliner Projekt „The Real Junk Food Projekt“, das zusammen mit dem Projekt „Cooking For Peace“ einfach das macht, was die Politik und Wirtschaft unterlässt. Eine gerechtere Verteilung der Ressourcen zum Nutzen aller ohne dass irgendjemand einen Verlust betrauern müsste. Lebensmittel, die in den Geschäften aufgegeben werden, werden in langen Stunden des Miteinanders von den Helfern dieser beiden Projekte gesäubert, gekocht und zubereitet, um sie dann dorthin zu bringen, wo Menschen neben Essen auch eine Willkommenskultur brauchen.

    Wenn es so einfach ist, etwas zu tun und zu handeln, warum schafft es die Politik nicht der Verschwendung Einhalt zu gebieten, indem sie den Konzernen und Geschäften gesetzliche Vorgaben macht?
    Warum ist es für die Wirtschaft so schwer andere Maßstäbe anzulegen, damit unsere Lebensmittel alle satt machen können?

  • Dieser kleine Gegenentwurf zum Chaos zeigt die beschämende Einfachheit einer Lösung und die Notwendigkeit einer umsetzbaren Nachhaltigkeit. Die Nachhaltigkeit ist tatsächlich lebbar, wenn die Rahmenbedingungen des wirtschaftlichen Kapitals mit den richtigen Ideen und großen Taten ausgehebelt werden und sich kluge Köpfe aufmachen, dort hin zu gehen, wo wir hinkämen, wenn wir uns bewegen statt nur fragen würden.

    Die Abgrenzung der „wahrhaftigen“ von der plakativen Nachhaltigkeit zeigt die Umsetzbarkeit dieser Idee. Wenn wir es als Gesellschaft schaffen die Nachhaltigkeit der Oberflächlichkeit und dem Greenwashing zu entreißen, schaffen wir die Grundlage für eine dauerhaft stabile Gesellschaft, in der ein gutes Leben greifbar wird.

    Gemeinsame kurz- oder langfristige Projekte, wie das gemeinsame Kochen für das Refugee Welcome Picknick auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, spielen nicht mehr die ökologischen, ökonomischen und sozialen Ziele gegeneinander aus sondern schaffen ein Gleichgewicht, das der Gesellschaft guttut. Eine derartige Aufwertung und Umverteilung von Lebensmitteln ermöglicht die Annäherung an eine Ausgewogenheit, da allen Zielen genüge getan werden kann.

  • Die ökonomische wie auch ökologische Bilanz einer Lebensmittelrettung ist unbestreitbar und wird mit der sozialen durch die Umverteilung zu einem guten Beispiel gelebter, wahrhaftiger Nachhaltigkeit. Das Profitstreben und die Verwendung von Kapital bleibt bei derartigen Ressourcenkreisläufen außen vor und präsentiert damit, dass längst nicht nur Geld die Wege ebnet sondern der Kopf das Kapital erschlagen kann.

    So entsteht mehr als die Summer seiner Teile je ausmachen könnte, denn die soziale Bilanz trägt den Keim der Zukunft in sich. Wir legen die Grundlage eines neuen Miteinanders, indem wir der Vereinzelung und Trennung jedes Einzelnen vom Anderen mit einem neuen Vertrauen entgegentreten. Der gemeinsame Wille, die Dinge nicht mehr so hinzunehmen wie sie in Zeiten eines starken Kapitalismus vorgegeben werden und so wie es eine Gesellschaft, die krampfhaft am goldenen Löffel festhält während sie das gute Brot entsorgt statt mit dem Nachbarn zu teilen, jedem Einzelnen anerzieht, stärkt eine andere Zukunft.

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