KLICK HUREN UND ABONNENTEN BITCHES

kp_adminDas neue Arbeiten

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  • E

    „__in Soldat, der gerade aus der Armee entlassen worden war, wanderte hungrig und ohne Geld die Straße entlang. Da begegnete ihm ein kleines Männchen, das war der Teufel, und der fragte, wie es ihm denn ginge.
    Der Soldat klagte ihm sein Leid und der Teufel bot an, ihn in den Dienst zu nehmen, dann solle er für sein Lebtag genug haben. Wenn er ihm sieben Jahre lang gedient habe, dann sei er wieder frei. In dieser Zeit dürfe er sich weder waschen noch kämmen, noch Haare oder Nägel schneiden, und sich auch nicht schneuzen oder sich das Wasser aus den Augen wischen. Der Soldat willigte ein.

    In der Hölle angekommen, erklärte ihm der Teufel, was er zu tun habe: In seiner Abwesenheit solle er das Feuer unter den Höllenbraten schüren und auch ordentlich nachlegen, aber er dürfe nie die Deckel von den Töpfen heben. Dann ging der Teufel auf eine Wanderung, und der Soldat heizte nach.

    Die Neugier plagte ihn schließlich so, dass er trotz des Verbots den Deckel vom ersten Topf hob: da saß sein Unteroffizier drin. Schnell ließ der Soldat den Deckel wieder fallen und heizte stärker ein. Im nächsten Topf saß sein Fähnrich. Er machte den Deckel schnell zu und legte nach. Im dritten Topf saß sein General: Da ließ er den Deckel rasch fallen und holte den Blasbalg, um das Feuer stärker anzufachen.

    Die sieben Jahre vergingen ihm wie ein halber Tag, und am Ende fragte ihn der Teufel, was er gemacht habe. Da sagte Hans, der Soldat, dass er eingeheizt habe, und der Teufel drauf: Es sei sein Glück, dass er die Deckel wieder auf die Töpfe gegeben habe.“(1)

  • Die Bewertung unserer Fähigkeiten und kreativen Leistungen hat längst den Raum eines eigenen kleinen innerbetrieblichen sowie privaten Mikrokosmos verlassen.
    Die Kreativen und Aussteiger unserer modernen Welt arbeiten nicht mehr innerhalb einer lokal geschlossenen Gruppe wie einer Firma sondern stellen sich der Bühne einer global vernetzen Welt.
    In riesigen sozialen Netzwerken wie Youtube und Facebook zeigen sie ihr Werk und ihr Leben, das die globale Gesellschaft durch Likes und Kommentare bewerten kann und dies auch tut. Unpersönliches wird persönlich. Fremde zu Dutz- Freunden. Die Freiheit einer neuen Welt zur Abhängigkeit von Likes. Und das weil das Netz alles kann.

    D

    __iese Entwicklung in der Gesellschaft der Neuzeit fand ihren Anfang viele Jahre vorher darin, dass „mit dem Aufstieg des ‚Haushalts‘ und der ‚ökonomischen‘ Tätigkeiten in den Raum des Öffentlichen, das Haushalten selbst und alle Angelegenheiten, die ehemals in die Privatsphäre der Familie gehörten, nun alle angehen, und das heißt, zu ‚kollektiven‘ Angelegenheiten geworden sind.“(2)

    Der Ursprungsgedanke – die Freiheit von einer abhängigen Beschäftigung – wandelt sich in einer auf Likes konzentrierten Tätigkeit zu einer abgewandelten Form der abhängigen Arbeit mit allen Merkmalen einer körperlichen wie mentalen Unfreiheit.
    Der Mensch entfremdet sich von sich selbst, „… wenn ihm die eigene Tat […] zu einer fremden, gegenüberstehenden Macht wird, die ihn unterjocht, statt daß er sie beherrscht.“(3)

  • Nun sind die Blogger und Youtuber zwar Chef-los, jedoch nicht wirklich frei, da sie vielleicht über den Ort und die Zeit ihres Arbeitens verfügen jedoch nicht über den Inhalt, den Auswirkungen und den Umfang ihres Werkes. Denn wirklich frei kann nur derjenige sein, der von jenen Tätigkeiten entlastet ist, die zum schieren Leben notwendig sind.

    Wenn das Halten von Followern die Produktion eines täglichen VLogs benötigt, wird produziert.
    Wenn das tägliche Posting von Facebook Beiträgen die Visits steigert, wird produziert.
    Wenn für Podcast die meisten Hörer um 17uhr zu gewinnen sind, uploaden die meisten digitalen Wanderarbeiter brav nach Stoppuhr.

    D

    __ie Notwendigkeit zum Eintreiben von finanziellen Mitteln, die die eigene Existenz absichern, zwingt die Blogger und Youtuber in eine Situation der erfolgversprechenden Likeproduktion.
    Es wird kein Content generiert sondern Likes, Kommentare und Follower, die den Wert der Arbeit und damit des eigenen Einkommens bestimmen. Aus einem Interesse ist ein Geschäft geworden, das die Tätigkeiten und Abhängigkeiten eines Business er- und auch einfordert.

    Die Inhalte der Arbeit der unsteten Blogger und Youtuber sind auf den aktuellen Trend des Netzes abgestimmt und greifen das auf, was die Netzgemeinde sehen, lesen und hören will.
    Wie können sie also frei sein, wenn sie in ihrem Tun darauf begrenzt sind, was ihre Follower und ihre noch nicht aber zukünftigen Follower konsumieren wollen?
    Wie kann ich selbst von meiner eigenen Freiheit sprechen, wenn ich ebenso mitten in dem Getriebe der Likes festhänge?

    „Durch den Drang nach Konformität und die entfremdete Arbeitsweise entsteht im Menschen ein ‚Loch im Selbst‘. Dieses wird ferner verstärkt durch den etablierten Gesellschafts-Charakter, der in der modernen Gesellschaft ein Leben nach außen hin als gesunde Lebensweise vorgibt … Durch das ständige Ablenken vom eigenen Inneren ist man sich seiner inneren Kräfte nicht bewusst und erfährt sich somit nicht als Initiator seines Handelns. Das eigene Handeln wird vielmehr durch von außen wirkende Kräfte gesteuert.“ (4)

  • E

    __s wäre ein Lüge zu behaupten, dass es ein Leichtes ist, dieses Leben zu führen, wenn wir regelmäßig VLogs sehen und Blogbeiträge lesen, in denen jene vermeintlich Freie von Erschöpfung durch ein ewiges Husseln und der Kritik unzufriedener Follower sprechen.
    Der VLog vom 12/06/2016 des Youtube Kanal „Life with Sandy und Benny“ ist ein gutes Beispiel für jene fatale Abhängigkeit, die durch einen Befreiungsversuch vom Joch der abhängigen Arbeit entstehen kann.
    Beide Youtuber zeichnen die mentalen Auswirkungen nach, die jenes Leben als Tribut einfordert, wenn wir unachtsam jene Wege gehen und uns die überdimensionalen und vor allem unsichtbaren Hamsterräder schleichend einnehmen.

    Aus der anfänglichem Leichtigkeit entsteht unmerklich ein Schwermut, der durch den Druck der Produktion und der häufig unsachlichen und missgünstigen Kritik fremder Menschen das Leben bestimmt. Die Bewertung der eigenen Leistung nach Erfolg oder Misserfolg verlagert sich nach außen und die persönliche Einschätzung gerät dabei unsanft in den Hintergrund, so dass sie kaum ein Gewicht für die eigene Meinung haben kann.

    Es „kommt … zu einem ‚Pseudo-Selbstbewusstsein‘, bei dem der Einzelne sein Selbstwertgefühl auf seiner sozio- ökonomischen Stellung aufzubauen sucht. Hierdurch hat sich in der modernen Gesellschaft auch in mentaler Hinsicht eine bizarre Marketing-Orientierung ergeben. Für den Einzelnen ist sein Dasein zu einer Art Ware geworden, die im Spiegel des sozialen Echos einen gewissen Wert erlangt …“(5)

  • B

    __logger und Youtuber gewichten das, was fremde Menschen über sie und ihrem Tun sagen und schreiben, viel schwerer als die eigene Sichtweise, wodurch sie kaum noch ein korrigierendes Gegengewicht aufbauen können.
    Es gibt kein Gleichgewicht mehr zwischen der äußeren Welt und dem Inneren Selbstwert, da fremde Menschen die Regie für das andere Leben im Internet übernommen haben und wissen, wie und wo Kritik schmerzt, um Macht auszuüben, die sie sonst nicht hätten.
    Die Unachtsamkeit der anderen ist zur eigenen Unachtsamkeit geworden.

    Die persönliche Deformation innerhalb eines Prozesses, der eine neue Abhängigkeit generiert, zerstört die eigenen Werte an dessen Stelle die Werte der anderen gesetzt werden. „An die Stelle eines individuellen Gewissens tritt das Verlangen, sich möglichst gut anzupassen und dafür Anerkennung durch andere zu erhalten. … Das vernünftige Hinterfragen von Gegebenheiten, das Urteilen und Handeln nach gefundenen Grundsätzen wird oft zugunsten der Konformität unterlassen.“(6)

  • Um wieder zu gesunden, sind Abstand und Vernunft ratsam, die sich über das vermeintliche Verlangen der anderen hinwegsetzen.
    Der frei werdende Raum, der vormals mit dem geistigen Unrat fremder Menschen zugemüllt war, offenbart Kapazitäten für eine Auseinandersetzung mit den vorhandenen Grundsätzen.
    Die Wahrheit jener Grundsätze erscheint an einem Ort der Stille fragwürdig und erlaubt eine Neuausrichtung.
    Ein nach außen gerichtetes Bewertungssystem ist ein eigenständiges Hamsterrad, das durch unseren Wunsch nach Anerkennung und sozialen Identität angetrieben wird.

    Inwieweit jene Grundsätze zurückgewiesen und neue gebildet werden, kann hier nicht vorgeben werden, da sie wiederum selbst eine neue Vorgabe bilden würden, die die alten ersetzen.
    Jedoch können hier die richtigen Fragen stehen, auf die jeder eine Antwort finden kann:

    Wie gelassen reagiere ich gegenüber Misserfolgen?
    Welche Meinung ist von wahrer Bedeutung, da sie von jemanden kommt, der überhaupt Bedeutung für mich besitzt?
    Vor welchen Prinzipien sollte ich jeden Tag Rechenschaft ablegen damit der Tag für mich sinnvoll und schön erscheint?
    Welchen positiven Dingen möchte ich Achtsamkeit schenken?

    (1) Quelle: http://www.mbsr-mbct.at/fileadmin/dateien/Publikationen/Glut_und_Asche_Ursula_Baatz.pdf
    (2) Quelle: Hannah Arendt; Vita Activa oder vom tätigen Leben; Seite 43
    (3) https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm
    (4) https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm
    (5) https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm
    (6) https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm